Wie der Job jung hält - oder alt macht
Viola Keeve
Capital (Heft 06, 2002)

Wissen Sie, was ein Anti-Aging-Mediziner ist? Auf jeden Fall jemand, der Ihnen sagen kann, wodurch Sie schneller alt werden, auch wenn noch niemand genau weiß, warum der Körper überhaupt altert. Dass aber gewisse Verhaltensweisen und Gewohnheiten den Alterungsprozess beeinflussen, scheint sicher zu sein. Stress ist besonders gefährlich, an der Spitze der gefährlichen Stressoren stehen dramatische Lebenseinschnitte wie der Tod des Partners oder Scheidung. Aber auch der Stress am Arbeitsplatz bei gleichzeitigem Schlafmangel lässt den Manager schneller biologisch altern. Wer dabei noch eine Persönlichkeit mit unterdrückten Machtmotiven ist, hat noch schlechtere Karten, Neid, Leistungsdruck und Unselbstständigkeit sind ganz ungünstig. Wer allerdings Probleme konstruktiv angeht, geistig gefordert ist, delegiert, Ausgleichsport betreibt, sich gesund ernährt und auch mal abschalten kann, lebt länger. Na so was, als hätten wir es doch geahnt. Und raten Sie mal, wer die höchste Lebenserwartung hat: Hochschullehrer, gefolgt von Zahnärzten, Geistlichen und Ministern. Früher abzuleben drohen Unternehmensberater, Künstler und Landwirte.

Und irgendwie hat das Altern auch was mit den Genen zu tun, doch noch hat man es nicht entdeckt, das "Methusalem Gen". Solange das aber noch im Verborgenen schlummert, bleibt vielleicht nur, sich an einer ganz anderen Berufsgruppe zu orientieren. In einer Langzeitstudie an 75 bis 106 Jahre alten katholischen Nonnen fand man heraus, was wirklich die Langlebigkeit garantiert: Eifer, Eigensinn, Optimismus, Bildung und Humor, Spiritualität, geregelter Tagesablauf, Anerkennung und Sicherheit in der Gemeinschaft, unabhängig und aktiv bleiben, das Leben schön finden. Da ist der Weg für einen Manager noch weit.

Für KuM rezensiert von Johannes Thönneßen, 05.04.2002)