Zeit-Plan-Spiel für Kirchengemeinden
ConSens- ein Zeit-Plan-Spiel für Gemeinden
von Simone Zillich-Limmer
Wie kann die anfallende Arbeit in einer Kirchengemeinde transparent gemacht werden? Wie können Arbeitsschwerpunkte entschieden und umgesetzt werden? Wie bindet man dazu die Entscheidungsträger (Presbyterium, Kirchenvorstand) oder die weiteren Ehrenamtlichen mit ein?
Das Zeit-Plan-Spiel für Gemeinden bietet hier ein spielerische und zugleich ernstzunehmende Möglichkeit: Um ein DIN A 0 – Plakat (ca. 115x90 cm) versammelt, lassen sich mittels bunter Kärtchen alle Gemeindeaktivitäten von „Gottesdienst und Spiritualität“ über „Pädagogik in Schule und Gemeinde“, „Gemeindeentwicklung“, „Öffentlichkeitsarbeit“ und „Gruppen und Kreise“ in einer auf dem Plakat gedruckten Kirche abbilden.
Teilnehmen sollten alle, die haupt- oder ehrenamtlich in die regelmäßigen Aktivitäten eingebunden sind, also neben dem Pfarrer, dem Vikar bzw. den Gemeinde- oder Pastoralassistenten auch einige Presbyteriums- oder Kirchenvorstandsmitglieder.
Ziel des Spieles ist es, die verschiedenen Gemeindeaktivitäten in ihrem zeitlichem Umfang sichtbar zu machen und spielerisch in eine Planung und Entscheidung über die Gestaltung der Gemeindearbeit zu gelangen.
Auf dem großen Plakat befinden sich neben der Kirche, in der für jede verfügbare Wochenzeitstunde (ganze Stelle = 54 Stunden!) die bunten Karten ausgelegt werden, auch noch Symbole, die den Aufgaben einen separaten Status zuteilen:
- eine Wolke für aufzuschiebende Aufgaben
- ein Tisch für Aufgaben, die unter den Tisch fallen können
- ein Herz für die Freizeit des Pfarrers und
- ein Stuhlkreis für die Aufgabenerledigung durch Ehrenamtliche.
Das Spiel ist in 5 Runden eingeteilt: Zunächst werden durch Auslegen der bunten Kärtchen (reihum) die Aufgaben in der Gemeindearbeit benannt und beschrieben.
In der zweiten Runde kann durch Würfeln über die einzelnen Zeitkarten diskutiert werden, indem der Spieler sich bestimmte Gemeindeaktivitäten mit einem Zeitaufwand in Höhe der gewürfelten Zahl wünscht. Im Laufe der Diskussion muß er seine Mitspieler überzeugen, Aktivitäten werden nur aufgenommen, wenn bei der anschließenden Abstimmung eine 2/3 Mehrheit dafür stimmt.
In der dritten Runde informiert der Pfarrer über die dienstlich vorgeschriebenen Aufgaben, schreibt die noch nicht in der Kirche genannten auf die Kärtchen und legt sie in das Herz.
In der nächsten Runden werden nun Aktivitäten aus dem laufenden Programm (Kirche) herausgenommen, um die Pflichtaufgaben des Pfarrers zu integrieren und dessen Herz (Freizeit!) wieder „freizuschaufeln“.
In der letzten Runde werden reihum „Ereigniskarten“ gezogen, die das Unplanbare ins Spiel bringen: der Organist fällt aus, ein anderer Pfarrer muss wg. Fortbildung vertreten werden, usw. Auch hier geht es darum, einen Teil der laufenden Aktivitäten aus der Kirche herauszunehmen und Luft zu lassen für die überraschend dazu kommenden Aufgaben.
Zum Schluß zeigt sich den Mitspielern dann das Bild einer Kirche, in der alle Pflichtaufgaben, sowie eine von allen Beteiligten gewünschte und mitgetragene Schwerpunktsetzung (Gottesdienst, Diakonie, Gremienarbeit,…) und etwas Luft für das Unplanbare abgebildet sind. Durch die Farben der Kärtchen ergibt sich ein buntes Bild.
Für die Auswertung bietet die Spielanleitung einige Anregungen:
- Wie geht es uns mit dem Ergebnis?
- Welches Profil unserer Gemeinde zeichnet sich ab?
- Welche Beschlüsse müssen wir fassen?
- …
Um auch für nicht Anwesende, z.B. die vollständigen Gremien, andere hauptamtliche Mitarbeiter oder die ganze Gemeinde, Transparenz zu schaffen, können die Karten aufgeklebt und das Plakat aufgehängt werden. Wird das Plakat immer wieder angeschaut oder auch zum Gegenstand bei der Gremienarbeit gemacht, bleibt das Spielergebnis für die Gemeinde erhalten und kann so nachhaltig wirken. Auch für die persönliche Reflexion des Pfarrers oder für Mitarbeiterjahres- oder –zielgespräche kann das Ergebnis eingesetzt werden.
Die Spielanleitung verhehlt nicht, dass es für die Durchführung einen in Moderation geschulten Spielleiter braucht – schließlich steht das gesamte Profil der Gemeinde (im wahrsten Sinne des Wortes) auf dem Spiel!
Alles in allem eröffnet das Zeit-Plan-Spiel die Möglichkeit, sich auf spielerische, erlebnisorientierte (und damit einmal andere) Weise mit den Bemühungen vieler Beteiligter um das Reich Gottes auseinanderzusetzen. Die Materialien sind zwar nicht hochwertig, aber dem Zweck mehr als genüge. Der Aufbau ist pfiffig und weckt die Lust am Spiel, wenn auch die Spielanleitung erst nach intensivem Studium die genaue Vorgehensweise deutlich werden läßt.
Wenn es gelingt, die Mitspieler für diese spielerische Art der Gemeindeentwicklung zu gewinnen, hat man eine tolle Methode an der Hand, auch schwierige Themen (Zuständigkeiten, Projektrealisierung,…) sauber anzugehen und so ConSens-Vereinbarungen zu erreichen. Der Name hält also, was er verspricht! Wird das Plakat hinterher aufgehängt und wirken die sich ergebenden Konsequenzen aus dem Spiel in das Gemeindeleben hinein, sind die investierten 48 EUR in jedem Fall gerechtfertigt.
Rezensiert für KuM von Markus Classen, 21. Juli 2003
Das Spiel kann zum Preis von
48,00 EUR bezogen werden über die
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90592 Schwarzenbruck
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