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Wirtschaftlich Denken und Handeln
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Wirtschaftlich Denken und Handeln – neue Wege in den Kirchen(gemeinden)!?
von Markus Classen

Die Kirchengemeinden in Deutschland befinden sich in einem Prozess grundlegender Veränderung. Schon vor vielen Jahren angekündigt wird es nun vielerorts ernst: weniger Einnahmen aus den Kirchensteuermitteln belasten gerade die Bistümer und Kirchenkreise, die mehrheitlich aus dieser Quelle ihren Finanzrahmen gestalten. Nur wenige Bistümer verfügen über so hohe anderweitige Einnahmen z.B. aus Vermietung und Verpachtung, dass die Kirchensteuermittel den geringeren Teil der Einnahmen ausmachen. Gleichwohl stellen die Gebäude und deren Erhaltung neben dem Personal den größten Kostenfaktor dar.

Damit fließen auch immer weniger Gelder in die Kirchengemeinden, z.B. für Restaurierungs- und Renovierungsarbeiten. Von Neu- oder Anbau ist dabei schon längst keine Rede mehr.

Wie können also Kirchengemeinden neue Wege finden und andere Geldquellen erschließen?

Das folgende Beispiel soll in Bezug auf Instandhaltung von Gebäuden einer Kirchengemeinde einige Möglichkeiten aufzeigen:

Für die überfällige Renovierung des Pfarrsaals fehlen die nötigen Gelder in den Kassen der Kirchengemeinde, auch das Bistum gibt nur die Zusage für einen sehr geringen Zuschuss.
Der Kirchenvorstand überlegt sich also, auf welchen Wegen die Renovierung finanziert werden kann.

Ausgangsfrage hierzu ist auch die zukünftig geplante Nutzung des Saales, da die kircheneigenen Aktivitäten den Saal bei weitem nicht auslasten.

Ein Mitglied des Kirchenvorstandes führt eine kleine „Marktanalyse“ durch, in der es die umliegenden, und damit „konkurrierenden“ Säle, die Vor- und Nachteile und deren Nutzer, z.B. Musik- und Sportvereine auflistet.
Die herausgearbeiteten Vorteile des eigenen Pfarrsaales werden für eine „Marketingstrategie“ gesondert festgehalten. Was ist das „Alleinstellungsmerkmal“ unseres Saales?
Der Saal kann z.B. als einziger in der Umgebung auch für größere Besucherzahlen ausreichend Parkplätze anbieten.

In diese Zeit der Planungen fällt der Anruf einer freiberuflichen Erzieherin, die gerne ihre Krabbelgruppen in den Räumlichkeiten der Gemeinde durchführen möchte. An dieser Stelle gilt es zunächst, im Kirchenvorstand Berührungsängste gegenüber „Fremden“ auszuräumen. „Das sind doch unsere Räume, die soll doch die Gemeinde nutzen können“ ist da ein Argument. „Wir sind doch kein Wirtschaftsbetrieb“ – „Wer weiß, wie die die Erziehung gestaltet. Ist sie ein Christ?“ – lauten andere Bedenken.
Wirtschaftlich betrachtet, bedeutet die Vermietung eines Raumes für täglich 3 Stunden eine feste, regelmäßige Einnahmequelle, die einen beträchtlichen Teil der laufenden Strom- und Heizkosten abdecken kann.

Auch an einer anderen Stellen sind neue Wege möglich: Da aufgrund geringerer Nutzung des Kirchenraumes (weniger Gottesdienste) dem Küster und Hausmeister ein Teil seines Stellenumfanges gekürzt werden musste, wird dieser angesprochen, ob er nicht auf freiberuflicher Basis die Bewirtung des Pfarrsaales übernehmen möchte. Somit kann bei der Vermietung des Pfarrsaales die Bewirtung mit angeboten werden. Dies ist zu einem Preis möglich, der deutlich unter dem der Anmietung einer Gaststätte liegt, was wieder ein attraktives (Alleinstellungs-)Merkmal dieses Saales ist. Die Mieter müssen für eine Feier also nicht in ein teures Lokal gehen und können aber doch den Service der Getränkebereitstellung und des Kellnerns in Anspruch nehmen.

Ein aufgestellter Plan legt dar, wie oft für wen und zu welchem Preis die Räumlichkeiten vermietet werden könnten. Die summierten Einnahmen stehen den Kosten für die Renovierung und die laufenden Betriebskosten (Strom, Reinigung,…) gegenüber. Der erwirtschaftete Überschuss kann zur Tilgung eines Kredites verwendet werden. Somit kann der Kirchenvorstand errechnen, welche Summe er heute aufnehmen und in die Renovierung investieren kann. Um die geplanten Einnahmen tatsächlich zu erreichen sind Werbemaßnahmen wie persönliche Gespräche mit Vereinsvorsitzenden, aber auch Anzeigen im Stadtteilanzeiger usw. nötig, für die im Kirchenvorstand ein Verantwortlicher benannt wird.

Mit diesen Aktivitäten gelingt es der Kirchengemeinde, für die Renovierung und einen wirtschaftlichen Betrieb ihres Pfarrsaales zu sorgen. Zugleich wird sie ihrer sozialpolitischen Verantwortung gerecht, in dem sie Beschäftigungs- und Verdienstmöglichkeiten für die Menschen (Erzieherin und Küster) am Ort schafft.

Wie erreicht man dieses „neue“ Denken und Handeln?
In Zukunft wird es wohl darum gehen, mehr wirtschaftliche Kompetenzen und Denkweisen in den Kirchengemeinden zuzulassen, ohne dabei die Identität als Christen und Kirche zu verleugnen. An dieser Stelle ist viel integrative Arbeit nötig und manches Mal muss die Spannung wohl einfach ausgehalten werden. Bei einer freiberuflichen Erzieherin hat die Gemeinde eben weniger Einfluss auf die inhaltliche Arbeit der Frau als bei Krabbelgruppen, die die Pastoralreferentin organisiert. Gleichwohl ist die Gemeinde auf die Einnahmen angewiesen. Der offene Dialog und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den „Geschäftspartnern“ sind ein guter Weg, um die Identität der Kirche zu wahren.

So hat z.B. eine andere Gemeinde auf Anfrage die Seitenwand der Pastoren-Garage zur Anbringung einer Reklamewand vermietet und dabei die Auflage ausgehandelt, dass bestimmte Werbung (Zigaretten, Kondome,…) dort nicht platziert werden darf.

Ingesamt geht es darum, Menschen mit der erforderlichen Doppelqualifikation in die Ehrenämter sowohl der seelsorglichen als auch der wirtschaftlichen Gremien zu holen. Menschen, die gläubig und aktiv für Christus und die Sache der Kirche eintreten und zugleich, z.B. durch ihre tägliche Arbeit im Beruf, wirtschaftliches, juristisches und politisches Denken und Rechnen gewohnt sind.
Hat man solche Menschen ins Boot geholt bzw. schon im Boot, geht es in den nächsten Schritten darum Diese Professionalisierung ehrenamtlicher Arbeit ist wohl eine der zentralen Herausforderungen für die Arbeit in den Kirchengemeinden.

P.S.:
Die Klöster z.B. haben sich auf den Weg gemacht, in dem sie in eigenen Läden oder als Vertrieb Produkte aus der eigenen Herstellung anbieten: Biere, Schnäpse, Liköre, Käse, usw.

Wie Gelder durch Sponsoringprojekte, z.B. Orgelkonzerte, generiert werden können, zeigt der KuM-Expertentext vom Februar 2003.

für KuM verfasst von Markus Classen

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