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Warum ist Beratung in der Kirche so schwierig?
von Heinz Schmitz-Peiffer
Nach meiner über 30-jährigen Erfahrung bei Organisations- Beratungen im Bereich der Kirche - sei es auf Gemeindebene, Bezirksebene oder Landeskirchen- bzw. Diözesan-Ebene - bin ich häufig auf folgende Probleme / Widerstände gestoßen :
1. Die kirchliche Hierarchie orientiert sich immer noch an überholten staatlichen Leitbildern.
Beispiel: Der Organisationsgrundsatz: „ Jede Entscheidung muß auf der niederst möglichen Ebene erfolgen“ ist in der Kirche meist noch nicht umgesetzt - hier gilt häufig nach wie vor das Gegenteil.
Frage: Wie hält es die Kirche mit der Delegation von Verantwortung?
2. In der kirchlichen Bürokratie (Kirche ist - leider - eine bürokratische Organisation geworden) bestimmen überwiegend TheologInnen und JuristInnen das Geschehen; diese Berufsgruppen denken und handeln oft sehr normativ. (Weil sie durch ihr Studium geprägt sind oder weil sie sich diese Berufslaufbahn - entsprechend ihrer Anlagen - daraufhin ausgesucht haben?).
Das hat dann zur Folge, daß neue - vom Berater/ der Beraterin eingebrachte Ideen oder Vorschläge für ( notwendige ) Strukturveränderungen oft als Angriff auf den Bestand der Kirche angesehen werden. Es bleibt dann meist bei ‘ Reparaturen ‘ bzw. ‘ kosmetischen Änderungen ‘, die sich nach dem Motto „Wasch mir den Pelz, aber mach ‘ mich nicht naß“ vollziehen.
3. Das größte Handicap der Kirche aber ist ihre Binnenorientierung. Während staatliche bzw. kommunale Verwaltungen sich jetzt am sogenannten ‘ Neuen Steuerungsmodell’ orientieren und sich von der input- orientierten Verwaltung zur output-orientierten Verwaltung wandeln und sich dem Bürger / der Bürgerin gegenüber als ‘ Dienstleistungsbetrieb’ verstehen , begreifen kirchliche Organisationen häufig immer noch nicht , was jetzt not tut.
Oder was gilt eigentlich (im Sinne Jesu Christi): Ist die Kirche für den Menschen da oder ist der Mensch für die Kirche da?
Statt ‘ Partnerschaftsverhältnisse’ mit den Menschen aufzubauen werden immer noch ‘ Abhängigkeitsverhältnisse ‘ gepflegt.
Frage: Wie lange lassen die Menschen sich das noch gefallen?
4. Geradezu ein Skandal ist die Tatsache, wie man in der Kirche mit dem ‘ kirchlichem Personal ‘ umgeht - und dies in beiden Großkirchen! Stichworte : Überbelastung durch Gemeindegrößen in denen ein partnerschaftlicher Umgang mit den Menschen in dieser Großgemeinde nicht möglich ist und noch dazu mit einer Ausbildung,die in keiner Weise der heutigen Situation und den Anforderungen entspricht .
Begreifen die kirchlichen Leitungskräfte immer noch nicht, daß die Pflege, Förderung und Motivation des größten ‘ Produktivfaktors ‘und der teuersten Resource der Kirche (über 80 % sind Personalkosten!) die wichtigste Leitungsaufgabe ist und sie dafür auch die Verantwortung übernehmen müssen? Allein die nicht mehr zeitgemäße Ausbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer, die sich nicht an den Bedürfnissen der Gemeinden orientieren, schreit zum Himmel.
Beispiele: Wo lernen Pfarrer / Pfarrerinnen richtiges Kommunikationsverhalten, Teamarbeit, Konferenz- bzw. Sitzungsleitung oder ist die fachliche Kompetenz in Seelsorge und Rhetorik ausreichend?
Wenn die Theologischen Fakultäten dies nicht leisten können, muß die Kirche die entsprechenden Fortbildungen als Pflichtveranstaltungen (!) anbieten - und zwar vor der Übernahme in das ‘ Beschäftigungverhältnis.
Wer nach dieser Darstellung der Problemfelder abgeschreckt ist, sich auf eine Beratung kirchlicher Organisationen einzulassen, dem möchte ich noch eine andere Erfahrung mitteilen:
In all den Jahren meiner Beratungs - und Seminartätigkeit im kirchlichen Bereich (ob katholisch oder evangelisch) habe ich hier die interessantesten GesprächspartnerInnen gefunden.Hier konnte ich über ‘ Gott und die Welt ‘ diskutieren und bin sehr oft aus dem Beratungprozeß selbst bereichert hervorgegangen. Denn der Erfolg des Beraters / der Beraterin liegt ( hoffentlich ) für ihn / sie nicht nur im Honorar!
Aber es gilt sich den innerkirchlichen Problemen zu stellen und sich dabei auch leiten zu lassen von dem Ausspruch: Planung in der Kirche ist oft deshalb so schwierig, nicht weil es den Heiligen Geist gibt, sondern weil in der Kirche vieles dafür gehalten wird, was doch nur ein gewöhnlicher Vogel ist.
Prof. Heinz Schmitz-Peiffer.
Der Autor lehrt an der Fachhochschule Kehl, Hochschule für die öffentliche Verwaltung
Was meinen Sie dazu? Welche Erfahrungen haben Sie mit Beratungsprozessen in der Kirche?
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