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Vom Beten zum Lernen und zurück?
managerSeminare
Heft 03, Jahrgang: 2001
S. 22-28
Karlheinz Geißler
Eine verblüffend überzeugende Beweisführung wird uns angekündigt, das macht neugierig. Bewiesen werden soll, dass die Formel vom lebenslangen Lernen Religionsersatz ist. Na und? fragt sich der Rezensent, der schließlich ziemlich enttäuscht den Beitrag zur Seite legt. Dass früher die Herrschenden uns sagten, was richtig und was falsch ist, dass Neues zu lernen sogar verpönt war, stattdessen das Überlieferte bewahrt werden musste und so alles seine Ordnung hatte, dass jede Änderung hingegen Schicksal und vom Allmächtigen vorherbestimmt war, das mag schon sein. Dass wir nun daran glauben, unser Schicksal selbst in die Hand nehmen zu können, die Zukunft beeinflussen, ja sogar gestalten zu können und wir uns daher nicht mehr auf eine gemeinsame Zukunftsvision stützen können, ist sicher ebenso richtig wie die Erkenntnis, dass nun alles offen ist, es so viele Wege in eine befriedigende Zukunft gibt wie Individuen, dass - im Gegensatz zu früher - nun alles unsicher, vage ist und damit Entscheidungen immer schwieriger werden, das erleben wir täglich. Anstelle der Sicherheit, die uns früher die Rituale, Religionen und Herrschende gegeben haben, soll nun das Motto des lebenslangen Lernens treten. Bildung und Beratung, so der Autor, sind unsere letzte Hoffnung. Je mehr wir wissen, desto größer wird unsere Unwissenheit, denn immer ist da jemand, der mehr weiß. Und vieles, was wir lernen, verfällt rascher, als wir es lernen können, womit die Notwendigkeit des "Entlernens" deutlich wird. Wo uns früher das Paradies versprochen wurde, herrscht heute Heimat- und Ratlosigkeit, also glauben wir ans Lernen. Die neuen Heiligen heißen Flexibilität, Mobilität und Globalisierung. Die frohe Botschaft heißt heute erfolgreiche Message. Das klingt alles geistreich, aber bringt den Leser nicht viel weiter - zumindest nicht den Rezensenten.
Für KuM rezensiert von Johannes Thönneßen, 24.02.2002)