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Vom Banker zum Jesuit. Die Geschichte einer Berufung.
Autor: James Martin
Verlag: Don Bosco, München 2003
Vom Banker zum Jesuit oder: Fremdwort Berufung?
von Marcus Leitschuh
James Martin war es peinlich über Religion zu sprechen. „Noch viel peinlicher war es, dass ich sogar daran dachte, meine religiösen Gedanken in die Tat umzusetzen“, schreibt er in seinem Buch „Vom Banker zum Jesuit“.
Seine Berufungsgeschichte führte ihn nach der Universität ins Finanzmanagement. Nach sechs Jahren Karriere tritt er dem Jesuitenorden bei, arbeitet jetzt als Publizist. Doch nicht das leicht zu lesende Buch bleibt mir mit seinem durchaus spannenden und witzigen wechselseitigen Einblick und Finanz- und Ordenswelt in Erinnerung, vielmehr der Klappentext: „James Martin ist ein Mensch unserer Zeit, kaum religiös erzogen, kaum Interesse an der Kirche. Was er will ist eine Karriere in der Finanzwelt“.
So sind sie also die Menschen unserer Zeit. Religiös kaum erzogen. Bei Stundenausfall und Randstundenlage des Religionsunterrichtes kein Wunder, angesichts überlasteter Mitarbeiter mit immer größer werdenden Pastoralverbünden. Und schließlich wachsen die Jugendlichen in einer Zeit auf, in der man bei Herrn Jauch binnen Stundenfrist Millionär wird. Die „schnelle Mark“ am „Neuen Markt“ ist im „Alten Europa“ längst nicht mehr zu machen. Oder man lässt sich von Dieter Bohlen wahlweise zur Berühmtheit loben oder beschimpfen.
Auch wenn manche „Superstars“ ein Karriere-Verfallsdatum besitzen, dass das von genbehandelten Tomaten überschreitet. Man verzeihe diese unmenschliche Formulierung, aber das Einzig Gute an den Superstars unserer Tage ist doch, dass sie die Sehnsucht nach dem Traumjob wach halten. Man nimmt den „Daniels“ und „Vanessas“ ab, dass sie für ihr Leben gerne singen möchten. Ja, sie haben eine Berufung, sie können sich so etwas auch leisten, denn: Auf der anderen Seite Lehrstellenmangel und die Forderung der Politik, weite Wege und einen nicht dem Wunsch entsprechenden Beruf zu akzeptieren.
Platz für Berufungen? Denn Berufungen brauchen wir nicht nur für die Jesuiten, auch für all die anderen geistlichen Berufe und – vielleicht sogar noch viel dringender – die gläubigen Christen in der Medizin, der Forschung und Politik.
Vielleicht ist dieser Weg sogar der Schwierigere. Vom Jesuiten zum Banker.
von Marcus Leitschuh - eine Glosse im Magazin für GemeindereferentInnen, zur Veröffentlichung in KuM freundlich zur Verfügung gestellt.