Unternehmerische Kompetenz und Spiritualität
Unternehmerische Kompetenz und Spiritualität
von Margot Abstiens
1. Inhaltliche Füllung der Begriffe
Um ein gemeinsames Verständnis der beiden Begriffe, die sich – scheinbar – in Spannung zueinander befinden, zu erleichtern, hier zu Beginn eine kurze Beschreibung dessen, was ich meine:
Unternehmerische Kompetenz:
- Verantwortung übernehmen für sich und das eigene Handeln
- Die Dinge in die Hand nehmen und gestalten
- Entscheidungen treffen zum richtigen Zeitpunkt
- Hohe Frustrationstoleranz
- Selbst-Bewusstsein
- Engagement aus existenzieller Betroffenheit
- Risikobereitschaft
- Gespür und Geschick für das Einbeziehen Beteiligter
- Ressourcen sehen und Chancen nutzen
- Nach vorne sehen „mit der Hand am Pflug“
- Ziele setzen, strategisch arbeiten und Ziele anpassen
- Innere Bereitschaft, sich bewegen zu lassen und andere/s zu bewegen
- Lernfähigkeit und Bereitschaft zur Selbstreflexion
- Respektvolle Führung von Mitarbeiter/innen zum Wohle der Organisation
Spiritualität:
- Wahrnehmung des Eingebundenseins in komplexe, zeitliche und
- energetische Zusammenhänge
- Glauben an eine Kraft außerhalb meiner Selbst
- Loslassen, Vertrauen
- Intensives Erleben des Augenblicks
- Rechnen mit dem, was sich nicht steuern lässt
- Glaube an Sinn
- Schaffen von Rahmenbedingungen, um bewegt zu werden von Gottes Geist und Kraft
- Kreative Selbstwahrnehmung und kreativer Ausdruck
- Liebe zu sich selbst, zum Leben, zu anderen, zur eigenen Aufgabe
- Leben der eigenen Berufung
2. Unternehmerisches Denken und Handeln in der Kirche
„… und gab ihnen zehn Pfund und sprach: handelt damit, bis dass ich wiederkomme.“ (Lk. 19,13).
Ein Edler zieht in ein Land, um König zu werden. Vorher ruft er noch ein paar Knechte und gibt ihnen jeweils ein Pfund. Dann ist er weg, ohne jeden weiteren Hinweis außer dem, zu handeln. Lange Zeit später kommt er wieder und rechnet ab. Einer der Knechte bringt 10 Pfund mit, er bekommt die Verantwortung für zehn Städte übertragen. Der nächste bringt fünf Pfund, ihm werden fünf Städte zugewiesen. Der dritte bringt lediglich das eine Pfund zurück, das er bekommen hatte, immerhin. Ausgegeben hat er es nicht, aber aus lauter Angst vor dem Risiko, es zu verlieren, hatte er es in ein Tuch gewickelt. Er hat nicht gehandelt und verliert dadurch das, was er hatte: es wird dem zugeschlagen, der am meisten aus seinen Möglichkeiten gemacht hat.
Es geht in diesem Gleichnis darum, zu handeln und etwas zu riskieren. Es geht nicht um Betriebsam- und Geschäftigkeit, sondern um die zielorientierte Vermehrung von Ressourcen. Es geht um Betriebswirtschaft, um Denken in Alternativen und Entscheidungen für Wachstum, um Strategie, die Wahrnehmung von Chancen und darum, dass am Ende tatsächlich etwas herauskommt.
Wir erleben zurzeit die Schließung von Arbeitsbereichen, Häusern, Einrichtungen im kirchlichen Raum. Das Geld, das zur Verfügung gestellt wird, reicht nicht mehr aus für das, was man gewohnt war zu tun.
Unsere Gesellschaft erlebt eine Krise des bisherigen Wirtschaftens, Neues steht noch nicht zur Verfügung. Und diese Krise kommt auch in der Kirche an. Jetzt wird klar: unternehmerische Kompetenz ist nicht nur notwendig für Leute in der Wirtschaft. „Verwalten“ allein reicht auch in der Kirche nicht mehr aus, denn Geld und andere Ressourcen wie z.B. Know-How und engagierte Mitarbeiter/innen fallen nicht vom Himmel wie Sterntaler.
Was sagt das Gleichnis?
Handelt! Ich habe Euch das Startkapital gegeben, jeder/jedem einzelnen von Euch und Euch als Gemeinschaft der Heiligen, jetzt macht was draus, arbeitet damit!!! Lasst Euch bewegen und bewegt andere, fürchtet Euch nicht vor dem Risiko, lernt von andern, reflektiert, was Ihr tut, seid Euch Eurer selbst bewusst und seht der Wahrheit ins Auge nach Möglichkeit bevor Euch das Wasser bis zum Halse steht. Die beste Art, die Zukunft vorherzusehen, ist die Realität wahrzunehmen, Verantwortung zu übernehmen, dann Versprechungen zu machen und sie zu halten. Backt nicht heute das Brot für morgen, sondern sät heute das Korn, damit ihr morgen Mehl habt und das Brot backen könnt, das ihr braucht.
Ein anderes Jesus-Wort bei Lukas:
„Machet Euch Freunde mit dem ungerechten Mammon“ (LK. 16, 9), spielt das marktwirtschaftliche Spiel mit, solange ihr kein besseres erfunden habt, denn ihr lebt in dieser Welt. Und spielt es gut, lernt die Regeln kennen und nutzt sie. Entwickelt unternehmerische Kompetenz, aber denkt dran: Geld ist nicht das, worum es geht, ist nicht das Maß aller Dinge, erst recht nicht Selbstzweck, sondern ein Tauschmittel. Letztendlich ist es sogar völlig unwichtig.
3. Ohne Netz und doppelten Boden
„Und darum auch ihr, fraget nicht danach, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und machet euch keine Unruhe. Nach solchem allen trachten die Heiden in der Welt; aber euer Vater weiß wohl, dass ihr des bedürfet. Trachtet vielmehr nach seinem Reich, so wird euch das alles zufallen.“ (Lk. 12, 29-31).
Zieht aus aus der Sklaverei der scheinbar gesicherten Verhältnisse, die Euch so lähmt. Tut das so bald als möglich. Aber wie lässt sich eine Kirche neu entwerfen, die nicht sofort nach gesicherten Bedingungen für sich selber fragt? Eine Kirche, die sich authentisch, glaubwürdig, kreativ und erfinderisch – anders gesagt: lebendig - am Marktgeschehen beteiligt und die aktiv tätig auf Gott vertraut? Die das Reich Gottes als Teil des normalen Lebens erspürt und das Bedürfnis hat, ihm Raum zu schaffen? Wie fühlt sie sich an, eine spirituelle Unternehmenskultur in der Kirche? Viele Menschen außerhalb der Kirche (auch in Wirtschaftsunternehmen) wären unglaublich daran interessiert, das mitzubekommen.
Schauen wir ihn uns ganz genau an, den Schatz im Acker, um des willen wir bereit sind alles zu geben was wir haben (Mt. 13,44).
„Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Lk. 16, 13).
Dieser Satz ist allgemein gültig und gilt nicht nur in der Kirche. Leben ist unteilbar: Nachhaltiges wirtschaftliches Handeln dient optimalerweise Gott, den Menschen und dem Lebenskreislauf. So wird die Diskussion um Nachhaltigkeit, Werte und Sinn auch in Teilen der Wirtschaft intensiv geführt.
4. Zwei Seiten einer Medaille
Lukas betont beide Seiten, das unternehmerische Handeln und das vollkommene Loslassen und Vertrauen. Beides sind zwei Seiten einer Medaille. Beides macht Kirche und Menschsein aus, erzeugt Tiefe und effizientes Dienen, intensives Leben und Bewegung. Unternehmerische Kompetenz und Spiritualität zu integrieren, ist Kunst, Geschenk und Weg in die Zukunft. Nutzen wir unsere Begabungen für den Dienst, wuchern wir mit unseren Talenten und Ressourcen und enthalten wir sie anderen nicht vor. Arbeiten wir um Gottes, unserer selbst und der Menschen, nicht um des Geldes willen. Was wir brauchen, wird uns zufallen.
Für KuM verfaßt von Margot Abstiens, Beratung für Karriere- und Unternehmensentwicklung, Mitglied im Netzwerk Beratung für Kirchenentwicklung