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Thesen zur Zukunft von Kirche im Internet
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Thesen zur Zukunft von Kirche und Internet
von Br. Paulus Terwitte

  1. Das Internet ist Medium einer Zwischenöffentlichkeit. Anders als beim Telefon ist der Kontakt verhalten möglich. Anders als beim Brief spontan. Anders als in der persönlichen Begegnung fantastisch vertiefend und ausführlich bedenkend. Dabei ist zu beachten, dass durch diese neue Qualität neues Suchtverhalten entsteht.
  2. Das Internet wird zu einem normalen Kommunikationsmittel auch in der Kirche. Dabei ist zu beachten, dass trotz des Booms viele davon ausgeschlossen sind: Behinderte, Arme und alte Menschen.
  3. Das Internet ist von seiner Struktur her dezentral organisiert und fördert damit die Kreativität von Einzelnen und von Gemeinden. Dabei ist zu beachten, dass dies leicht dazu führt, sich zu verzetteln und für den Außenstehenden eine neue Unübersichtlichkeit entsteht.
  4. Das Internet ist eine vorzügliche Wissensquelle; die Kirche muss daran interessiert sein, ihr Wissen internetgerecht anzubieten. Dabei ist zu beachten, dass die Online-Recherche die Dummheit der Wissenden (Internetidioten) und die Allmachtsfantasien der Nutzer fördert.
  5. Das Internet ist die virtuell geöffnete Tür auch für jene, die nach Sinn und Glaube suchen. Dabei ist zu beachten, dass diese nach wahrhaftigen Zeugnissen suchen und vor allem die Zeuginnen und Zeugen direkt ansprechen wollen.
  6. Das Internet hat 24 Stunden geöffnet und bietet dem Menschen auf der Suche hier und jetzt die Möglichkeit, sich sofort zu informieren und Kontakt zu knüpfen. Dabei ist zu beachten, dass solche spontanen Kontakte zu langfristigen Begleitungen führen können.
  7. Das Internet kostet Geld. Die Kirche muss sich entscheiden, die virtuelle Präsenz als Kunst- und Kulturauftrag anzusehen. Die deutsche Kirche braucht eine Internetkathedrale mit großem Portal, zu dem die Menschen leicht hinfinden und durch das sie zu dem finden, was sie suchen. Dabei ist zu beachten, dass die Kunst keine Regulierung seitens der Geldgeber dulden kann und mit viel Vertrauen ein katholisches Kompetenzteam mit oberhirtlichem Auftrag endlich ans Werk gehen muss.
  8. Das Internet kostet Entschiedenheit. Das Kompetenzteam „Internetkathedrale Deutschland“ braucht die besten pastoralen Mitarbeiter, guten technisches Personal und eine wachsende technische Plattform. Dabei ist zu beachten, dass dieses Team angebunden bleibt an einen konkreten Ort mit konkreter Pastoral, im Idealfall sich einbindet in eine oder als eine eigenständige Gemeinde.

von Bruder Paulus Terwitte, Kapuziner in Frankfurt a.M.

Der Text ist dem Buch "Ortswechsel - auf neue Art Kirche sein" von P. Erich Purk (Hsg.) entnommen, welches in 2003 im Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart, erschienen ist.

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