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Talente, Visionen, Persönlichkeit und die Organisationskultur…
ein Plädoyer für Mut zur Stärke!
von Margot Abstiens
"Ihr seid das Licht der Welt. ... Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus…“. Matthäus 5, 14-15
Wir leben in ihr, atmen sie ein und aus, leben durch sie und manchmal leiden wir an ihr: das, was eine Organisation prägt, ist ihre „Kultur“, die unausgesprochen geltenden Werte, ihre „to-dos“ und „not-to-dos“ in Abteilungen, Gemeinden, Gruppen, Projektteams. Es ist immer schon vorher klar, wie man denkt und bis zu welcher Grenze, was in Frage gestellt oder neu gedacht werden darf, wie viel Kraft wer einbringen darf oder wie viel Schwäche. Sie regelt, wie Führung gelebt wird, inwiefern Fehler möglich sind, ob sich etwas wirklich verändern darf.
Die Organisationskultur erhält ihre Macht vorwiegend aus ihrer Unsichtbarkeit. Sie versteckt sich gern unterm Teppich, zwischen den Zeilen, in der Wiedervorlage, im Schweigen, im Nebel. Sie ist da, aber nicht zu greifen. Manchmal vergessen wir sie, weil sie so selbstverständlich dazu gehört wie die Luft zum atmen.
Und wir vergessen, dass sie uns prägt. Unsere Arbeit, unser Denken, die Grenzen unserer Kreativität und des Einsatzes unserer Talente, unser Miteinander, und was das Gravierendste ist: unseren Umgang mit uns selbst und unser Gefühl für Wert: für unseren eigenen und den unserer Arbeit.
Die kirchliche Organisationskultur beeinflusst über die geltenden Werte das Gefühl für die Bedeutung der eigenen Leistung. Und somit – so behaupte ich - dann auch die Leistung selbst.
„Stell Dein Licht nicht unter einen Scheffel!“, diese Aufforderung aus der Bergpredigt kennen wir alle. Lass dein Licht leuchten allen, die im Hause sind, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Mein Licht, meine guten Werke. Wenn ich die verstecke, verstecke ich Gottes Kraft!
„Darf“ ich mich gut finden? Darf ich wichtig finden, was ich denke, und mich durchsetzen? Darf ich Ziele und Visionen haben für meinen Arbeitsbereich? Darf ich klar und eindeutig Stellung beziehen? Oder muss ich mich immerzu hinter Gremien verstecken, die alles entscheiden – weil es nicht sein darf, dass sich eine einzelne Person „profiliert“ – ihr Profil zeigt - man könnte auch sagen: ihr Licht auf den Scheffel stellt…?
Notwendige Veränderung in Organisationen wird wahrscheinlicher und anziehender, wenn Verantwortliche eine eigene Vision und eigene Ziele haben, anstatt nur auf deren Entstehen in einem „Diskussionsprozess“ zu vertrauen. Wenn sie beginnen, ihre Überzeugung anderen deutlich zu machen und überzeugend und authentisch zu vermitteln, wenn sie das tun mit einer Leidenschaft, die aus dem Herzen kommt und andere mitreißt. Wenn sie ihr Licht entdecken, zulassen, anfachen. Es brennen lassen und leuchten für alle, die „im Hause“ sind. Und andere anstiften, ihr Licht auch brennen zu lassen!
Aber wie? Machen Sie sich auf die Suche nach dem Ziel Ihres eigenen Engagements, entdecken Sie Ihr Feuer, Ihre die eigene Berufung. Warum bin ich hier tätig? Was begeistert mich? Was ist meine Gestaltungsaufgabe? Welche Gaben und Talente habe ich, und welche davon sind noch nicht richtig genutzt? Warum? Was hindert mich??? Wie bringe ich mein Licht auf den Scheffel? Wie verbinde ich mich mit meiner inneren Kraft, mit Gottes Kraft?
Klar ist es leichter, vor den eigenen Möglichkeiten wegzulaufen, so ging es ja auch Jona. Aber es hat ihn nicht dauerhaft glücklich gemacht, ebenso wenig die Menschen auf dem Schiff, das Gott wegen Jona durch den Sturm so stark hat schaukeln lassen.
Auch Mose hat sich gewehrt gegen seine Berufung, aber auch er hat sich überzeugen lassen. Und das hat sein Leben entscheidend verändert. Je klarer wir uns über unsere Berufung werden und sie akzeptieren, desto mehr Spaß macht die Arbeit und desto effektiver und kraftvoller – leuchtender! - ist sie.
Also: Graben Sie Ihre Talente aus und wuchern Sie mit ihnen, und unterstützen Sie andere darin, das auch zu tun. Tragen Sie dazu bei, die Kultur des verschämten Zurückhaltens der eigenen Möglichkeiten zu verändern, ermutigen Sie andere, ihr Licht zu zeigen, und zeigen Sie es selbst! Fassen Sie Mut zu notwendigen Entscheidungen und wagen Sie herausfordernde Ziele. Hören Sie auf zu zaudern und zu zögern, suchen und leben Sie Ihre einzigartige Berufung, Ihre Leidenschaft. Nehmen Sie Ihre Möglichkeiten wahr und machen Sie was draus. Jetzt, nicht morgen.
Margot Abstiens, Beraterin für Karriere- und Unternehmensentwicklung, Mitglied im Netzwerk Beratung für Kirchenentwicklung (www.margot-abstiens.de).
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