Public Relations für Gott?
„Public Relations für Gott? – Kann, soll, muß Kirche werben?“
Dr. Heiner Koch, als Artikel erschienen in „Theorie Kirchenmanagement“ – Lemmen Verlag - Hrsg. Martin Thomé S. 26-35
Ausgehend von der Betrachtung der momentanen kirchlichen Situation arbeitet der Autor in seinem Artikel heraus, warum und auch wie sich die Kirche werbend um die Menschen kümmern soll.
Durch die fortschreitende Auflösung des kirchlichen Milieaus verändert sich auch die Religiösität des Einzelnen. Der Autor zitiert Untersuchungen, die belegen, dass die Relevanz des Glaubens für die Menschen in direkter Abhängigkeit zu ihrer sozialen Eingebundenheit in ein kirchliches System steht.
Daraus ergibt sich für Heiner Koch schlüssig die Konsequenz, mehr für eine weitere und andauernde Eingebundenheit zu sorgen bzw. der bestehenden Tendenz entgegenzuwirken. Werbung erscheint hierfür als geeignetes Mittel, wenn einige konkrete Erwartungen, Bedingungen und Hoffnungen gegenüber den Werbemaßnahmen gewahrt bleiben.
Einige Anforderungen seien hier kurz benannt:
- Kirche soll nicht etwas anpreisen oder verkaufen, sondern will zu einem Kommunikationsprozess einladen, der den Menschen gut tun soll. Dieses Guttun soll Ziel der Werbung sein.
- In der Werbung muß die Besonderheit des Glaubens sichtbar werden – er ist nicht einfach ein Produkt (z.B. aus dem Wellness-Bereich) neben anderen.
- Werbung für die Kirche müßte den Menschen zur freien und bewußten Entscheidung führen wollen und darf ihn nicht als „geheimer Verführer“ überrumpeln.
- Damit hängt zusammen, dass es in der Werbung nicht in erster Linie um die Kirche selbst gehen darf, sondern um das Leben der Menschen mit Gott.
Die insgesamt 12 schlüssigen Thesen beschließt der Autor mit einem Gedicht von Ingeborg Bachmann über „Reklame“. An den Grenzen und Freuden unseres Lebens, bei Taufe, Hochzeit oder Todesfall will die Kirche den Menschen zur Seite stehen. Dies sind die Momente, in denen sie beweisen kann, dass sie das, wofür sie geworben hat, auch einhalten kann: eine „gute, einladende, wärmende Nachricht für die Menschen“ zu sein.
Dieser Artikel bietet einen guten Einstieg in die Frage nach der Werbung für die christliche Botschaft. Er bleibt allgemein und ist deshalb vielfältig nutzbar – zugleich obliegt es dem Leser, die Inhalte konkret für sich umzusetzen. Wer in einem kleinen Team Werbemaßnahmen für seinen konkreten Platz in der Kirche überlegt, hat hier eine gute Diskussionsgrundlage.
(ein Auszug aus diesem Artikel ist Auftakttext im Diskussionsforum zum Thema „Marketing in den Kirchen“ im Dezember 2002.)
Für KuM rezensiert von Markus Classen.