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Marketing in den Kirchen
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Kann, soll, muss Kirche werben?

In den sich wandelnden gesellschaftlichen Bedingungen wird es für die Menschen, die innerhalb der Kirche verbleiben, immer wichtiger, genau zu wissen und zu reflektieren, was sie als aktive Christen ausmacht und warum sie gläubig leben und sich engagieren wollen. Nicht nur für sich selbst, auch für die Einladung an andere ist also eine gute Kenntnis des „Produktes“ Glaube notwendig. Ein weiterer, wichtiger Aspekt ist es, diese Kenntnis zu kommunizieren – also für das Produkt zu werben.

Ist dies die Kirche ihren Mitgliedern nicht schuldig? Kann sie dadurch nicht den Glauben stärken und die Menschen auf ihrem Weg stützen?

Im Folgenden lesen Sie einige Thesen über konkrete Erwartungen, Bedingungen und Hoffnungen, die Kirche gegenüber Werbemaßnahmen stellen muss.
Sie stammen von Dr. Heiner Koch, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Erzbistum Köln. Wir danken dem Autor für die Genehmigung der Veröffentlichung.

„1. Werbung der Kirche will nicht etwas anpreisen und verkaufen, sondern zu einem Kommunikationsprozess mit Gott, den Menschen und der Kirche einladen. Dieser tut den Menschen und ihrem Leben gut. Auf dieses Guttun muss Werbung Geschmack machen.

2. Damit hängt zusammen, dass Werbung deutlich machen müsste, dass der Glaubensbereich nicht ein Bereich neben anderen ist. Es ist nicht so, dass ich etwas für meine körperliche Gesundheit und dann auch etwas für mein seelisches und religiöses Wohlbefinden tun müsste. Der Glaube ist eine das ganze Leben durchdringende und umfassende Haltung, die alle Lebensbereiche prägt bzw. prägen soll. Werbung der Kirche muss deshalb Grundfragen des Lebens aufgreifen und zu Lebensbewegungen ermutigen.

3. Solch eine Werbung müsste den Menschen zur freien, bewussten Entscheidung führen wollen, ihm einen Weg ebnen, ihn aber nicht als "geheimer Verführer" überrumpeln wollen.

4. Damit zusammen hängt die Erkenntnis, dass es der Kirchenwerbung nicht in erster Linie um die Kirche gehen darf, sondern um das Leben der Mensch mit Gott.

5. Von daher sollte Werbung wesentlich positiv zusprechend sein: Dein Leben, du selbst bist für Gott wichtig. Kirchenwerbung müsste von daher eine sehr persönliche Note haben.

6. Aus dieser persönlichen Note ergibt sich die Schwierigkeit, aber auch Herausforderung, dass Werbung der Kirche ernst damit macht, dass es den Glaubenden und die Kirchenerfahrung nicht gibt. Wegen der vielen persönlichen Hintergründe, Erfahrungen, Herausforderungen und Probleme der Menschen mit Gott und dem Glauben müsste in kirchlicher Werbung die Buntheit und Vielfalt des Lebens und des Glaubens und damit auch Freude an diesem bunten Blumenstrauß der Glaubenswege ihren Ausdruck finden.

7. Angesichts der weit verbreiteten "Antiwerbung" gegen Kirche und gegen den Glauben müsste kirchliche Werbung sich auch an die in der Kirche Stehenden wenden. Werbung der Kirche dürfte nicht nur die Menschen außerhalb der Kirche im Blick haben, sondern müsste eine stützende, stabilisierende Bedeutung aufbauen für die Menschen in der Kirche und für die Kirche als Ganzes: es macht Freude, als eine profilierte Minderheit in dieser Gesellschaft wirken zu können. Darauf sind wir stolz.
8. -12. […]“

Die Thesen wurden einem Artikel (Public Relations für Gott? ) im Buch "Theorie Kirchenmanagement" entnommen.


Was meinen Sie zum Thema Marketing in den Kirchen? Kann es gelingen, den Glauben als ganzheitliche Lebenserfahrung auf Plakatwänden zu kommunizieren? Oder reicht es, an den ursprünglichen Orten der Christen (liturgischer Raum, diakonisches Handeln,…) überzeugt und überzeugend „einfach da“ zu sein?

Schreiben Sie uns Ihre Meinung.


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Leserkommentar 1 - Liebe direkt weitergeben
Das beste Marketing-"Instrument" der Kirche sind die Menschen vor Ort, die von der Liebe erzählen, die sie bewegt - meint Christoph Meyns.

Leserkommentar 2 - Gute Erfahrungen in der Praxis
Gelebter Glaube ist das überzeugendste Marketinginstrument - meint KuM-Leser Hans Wolf