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Management kirchlichen Wandels - Berater in Kirche
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Management kirchlichen Wandels
Wie können externe Unternehmensberatungen die strukturelle und inhaltliche Veränderung kirchlicher Organisationen unterstützen?

Von Matthias Dargel – rezensiert von Markus Classen

Erschienen in „Praktische Theologie – Management als kirchliche Praxis? –Zur Zukunft unternehmerischen Denkens in der Kirche“ – Verlag Chr. Kaiser 4-2002, S. 270-282


Unternehmerisches Denken in Kirche – Anfang vom Ende oder einfach einer weiterer Schritt auf dem Weg durch die Zeit? Klar ist, dass sich Kirche schon länger mit verschärftem Wettbewerb und mündigen „Kunden“ auseinandersetzen muß.
Der Autor dieses sehr lesenswerten Beitrages sieht Krisenerscheinungen als wesentlichen Anlass für die Beauftragung (externer) Beratung. Angestossene Beratungsprozesse weisen den Weg aus der Krise durch kleine Schritte der Veränderung. Damit diese Veränderungen auch durchgeführt werden, muß nach Erfahrung des Autors zunächst ein genügend großer finanzieller Leidensdruck entstanden sein. Geschwindigkeit und Ausmaß der Veränderung in den Kirchen werden durch zwei Dilemmas stark gebremst:
- zunächst fließt ein hoher Anteil der vorhandenen finanziellen und personellen Mittel in die Instandhaltung und Bewirtschaftung von Gebäuden und Anlagen
- und zweitens gibt es in der evangelischen (!) Kirche nur eine lose Verbindung zwischen den Kirchenkreisen und den einzelnen Gemeinden, so dass Ausrichtung und Ziele der einzelnen Gremien, und damit deren anzustrebende Veränderungstendenzen nicht logisch in die gleiche Richtung führen.
Sehr anschaulich erhält der Leser dieses Artikels einen Überblick über mögliche Ansatzpunkte zur Verbesserungen in den Gemeinden und zu Instrumenten und Methoden der Organisationsentwicklung. Auf der Suche nach einem Vorbild für Veränderungen stößt er auf Paulus und die Gemeinde in Korinth: Überzeugend erfährt der Leser hier, was ein Sales-Promoter (Paulus) und sein „Nacharbeiter“ Apollos in der Gemeinde bewirkt haben. Paulus hat ein derartige charismatisches Image aufgebaut, dass es ihm hinterher schwerfiel, wieder auf den eigentlichen Anlass seiner Besuche rückzuverweisen: aus Jesus, den Auferstandenen. Dargel spielt hier auf charismatische Führungspersönlichkeiten im Pfarrhaus an und empfiehlt eine regelmäßige Versetzung (etwa im 8-Jahres-Rhythmus).

Im letzten Teil des Artikel beschreibt der Autor fünf Herausforderungen für die Begleitung kirchlicher Veränderungsprozesse – und damit an die Berater:
1. ressourcenorientiert betrachtet, geht es für die Kirchen darum, die notwendigen Entwicklungsschritte aus den eigenen Wurzeln herauszulesen. Hier hat der Berater eine moderierende, Kreativität freisetztenden Funktion wahrzunehmen.
2. Sich in betriebswirtschaftliche und organisationssoziologische Aspekte hineinzudenken ist ein komplexer Prozess, die Umsetzung des Erlernten kann zu Richtungskämpfen zwischen den Verantwortlichen führen. Der externe Berater kann hier durch seine fachliche Kompetenz und eine „neutrale“ Darstellung hilfreich sein.
3. Der Abschied von liebgewonnenen Traditionen sowie eine systematische Umsetzung neu gewonnener Idee kann durch einen externen Berater gut gestützt werden. 4. Wer sich als kirchliche Führungspersönlichkeit begreift oder entwickeln will, strategische Perspektive entdecken und kommunizieren soll, dem wird ein Coachingprozess den nötigen Rückhalt geben – eine weitere Aufgabe für externe Berater.
5. Letztlich geht es bei nachhaltiger Veränderung um mehr als medienwirksame Veranstaltungen oder Konzepte, nämlich um die Vernetzung und Verschmelzung dieser zu einem stimmigen Ganzen. Ebenfalls eine Aufgabe, die durch einen Externen gut übernommen bzw. mitgestaltet werden kann.

Zuletzt gibt es noch einen guten Rat für alle, die sich als Berater in Kirche anbieten (wollen): ein Schlüsselfaktor für gelingende Beratungsprozesse ist „die Strategie- und Entscheidungsfähigkeit kirchenleitender Gremien (und nicht primär das Thema und der Anlass der Veränderung“. Wer sich als Berater auf die Gemeinden einläßt muß wissen, wieweit die beratende Personengruppe ihren Arbeits- und Lebensbereich selbst gestalten kann und will und wie die Beziehungen der Gruppe zu den Kontaktstellen aussieht (Kirchenkreis, Landeskirche, Gemeinde).

Außer den genannten Aspekten und Gedanken enthält der Artikel zahlreiche spezifische Literaturhinweise, so dass auch derjenige, der sich weiter mit dem Thema befassen will, hier fündig wird.

Eine Rezension von Markus Classen.


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