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Management als Wissen im Kloster
Forum KuM

Alexandra Kemmerer
Höre, meine Tochter, aufs Wort der Berater - Wer nach der Regel lebt, braucht die Wissenschaft nicht zu fürchten: Ein Kloster als Musterbetrieb
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.03.2004, Nr. 70 / Seite 44

Titel und Beginn dieses Artikels machen neugierig. Da wird die Äbtissin der Benediktinerinnenabtei Burg Dinklage im Oldenburgischen zitiert, daß Vieles anders werde. Organisatorischer Wandel also auch in einem Kloster? Die Antwort ist ein eindeutiges Ja, dadurch verstärkt, daß es eben - bei den Benediktinern - schon immer so gewesen sei.

Folgt hingegen in unseren Unternehmen auf „Es war schon immer so gewesen.“ nicht selten „Und darum soll es auch so bleiben.“? Sollen unsere Klöster und deren Nonnen und Mönche etwa weiter sein als unsere von der Brandung der Globalisierung umtosten Unternehmen? Zugegeben, der Rezensent hätte dies bis vor kurzem nicht geglaubt.

Sicherlich werden die Regeln Benedikts – Beständigkeit, monastischer Lebenswandel und Gehorsam – im Grundsatz unangetastet bleiben. Und man wird auch weiterhin – ganz im Geiste des Gründers – von seiner Hände Arbeit leben. Das bedeutet aber nicht gleichzeitig, daß man völlig unbeweglich wäre. Schließlich erlauben die Regeln Benedikts durchaus Anpassungen des Klosterlebens, wenn es die Situation erfordert.

Man steht Neuerungen somit nicht gänzlich verschlossen gegenüber. Auf Burg Dinklage durchläuft der Konvent seit sieben Jahren ein Organisationsentwicklungsprozeß, der – wie es sich für BenediktinerInnen gehört – theoretisch fundiert verläuft und dessen Ergebnisse nunmehr in der Diplomarbeit einer der Schwestern veröffentlicht wurden.

Der Bericht der Schwester Ulrike verheimlicht nicht die Spannungen, die das „kleine Unternehmen“ durchmachte, als man erkannte, daß man unternehmerisch denken müsse, dabei aber sich selbst nicht verraten dürfte. Daß es sich hier nur um ein kleines Unternehmen handelt hat wohl eher mit der ihren Bewohnern und Mitarbeitern innewohnenden Bescheidenheit zu tun. Gemessen an der Zahl der Übernachtungen und den vielfältigen Aktivitäten kann da durchaus von einem mittelständisch strukturiertem und vor allem diversifiziertem Unternehmen gesprochen werden, in dem Begriffe wie Marketing und Marktforschung ebensowenig Fremdwörter sind wie Personalentwicklung, Personalführung oder Personalvermögensbildung. Und wo Fortbildungsbedarf erkannt wurde, wird konsequent dieses Defizit abgebaut. Professionell und effizient eben – wie das exakt strukturierte Leben im Kloster selbst.

Wie gesagt: der Artikel macht neugierig auf das bei Nomos erschienene Buch. Der Rezensent jedenfalls hat sich das Buch bereits bestellt.

Rezensiert für KuM von Jürgen Fischer


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