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Interview mit Markus Classen, Geschäftsführer des Online-Forums „Kirche und Management“– von Margot Abstiens vom NETZWERK BERATUNG FÜR KIRCHENENTWICKLUNG. Margot Abstiens berät u.a. Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen in Fragen der Organisationsentwicklung.
Herr Classen, Sie sind Betriebswirtschaftler und Herausgeber des „Onlineforums für Kirche und Management (KuM)“. Was ist für Sie Management und was hat das mit Kirche zu tun?
Unter Management verstehe ich das Gestalten, Lenken und Entwickeln von sozialen Systemen, also auch von Kirche. Dabei kommt es auf den zielgerichteten und effizienten Umgang mit vorhandenen Ressourcen an - also um das Management von Geld, Ideen, von Zeit und Fähigkeiten.
Management von Fähigkeiten?
Das ist m. E. eine der wesentlichen Leitungsaufgaben. Gaben und Kompetenzen wahrnehmen und es Menschen ermöglichen, sie – oft projektbezogen - einzusetzen: Viele Menschen sind bereit, ihr fachliches Know-How auch ehrenamtlich einzubringen, wenn sie dazu eine Möglichkeit sehen.
Viele rheinische Kirchengemeinden, Kirchenkreise, Einrichtungen entwickeln Konzeptionen, oft aber ist niemand richtig zuständig für die Umsetzung – also für das „Management“. Management ist in der Kirche ja teilweise eher ein fremder Begriff und wird zum Teil auch kritisch gesehen - als etwas, was aus dem Profitbereich kommt und den Glauben gefährden könnte, weil es so nach „Machbarkeit“ klingt…
Sie sprechen die alte Frage an, wie Gott und Menschen zusammenwirken. Für die Umsetzung von Konzeptionen muss es eindeutige Zuständigkeiten geben. Auch – oder gerade – wenn in der Kirche professionell gemanagt wird heißt das ja nicht, dass man nicht auch fest mit dem „Unverfügbaren“ rechnet!
Was ist das Online-Forum „Kirche und Management“?
Unser Onlineforum für Kirche und Management ist die aktive Vernetzung von Menschen im Raum der Kirchen, die an Managementfragen „dran sind“ - über ihre örtliche Kirche hinaus. Es vernetzt Menschen verschiedener Konfessionen im gesamten deutschsprachigen Gebiet und bündelt Wissen und Informationen. Dieses Angebot ist bisher einzigartig, der Bekanntheitsgrad wächst.
Was genau bietet das Forum?
Bücher, Zeitschriften und Fachartikel zum Thema werden regelmäßig von uns gelesen und rezensiert, Experten verfassen zum monatlichen Schwerpunktthema (z.B. Leitbild, Führung oder Sponsoring) einen Auftakttext, der alle Besucher zur Diskussion einlädt. Institutionen und andere Anbieter haben die Möglichkeit, sich mit ihrem Profil in eine Datenbank einzutragen und ihre Dienstleistungen vorzustellen. Ein monatlicher Newsletter informiert über alle wichtigen Neuerungen im Forum.
Wie kamen Sie dazu, das aufzubauen?
Unter www.mwonline.de (ein Wissens- und Informationsdienst zu Fragen des allgemeinen Managements) gab es die Anfrage eines rheinischen evangelischen Pfarrers, ob es nicht möglich sei, einen solchen Dienst auch für den Fokus Kirche einzurichten. Aus
dieser Idee entstand dieses Gemeinschaftsprojekt von MWonline GmbH und Sinn meets Management, meiner Beratungsfirma.
Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Forum?
Ein zentrales Ziel ist das Voneinander lernen - von den guten wie den schlechten Erfahrungen - und der Austausch unterschiedlicher Sichtweisen. Man muss das Rad nicht immer wieder neu erfinden.
Wer nutzt das Forum?
Wir haben derzeit 230 Newsletter-Abonnenten und fast 1300 Klicks in 30 Tagen. Unter den Abonnenten befinden sich Pfarrer, Personal- und Bildungsreferenten, christliche Unternehmer, Berater, promovierte Theologen, Äbte und Professoren - nicht nur aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, auch Südtiroler und eine Frau aus Südafrika sind mit dabei.
Welchen konkreten Nutzen haben die Nutzer?
Sie informieren sich entweder allgemein zu den behandelten Themen oder finden Antworten auf eine konkrete Frage.
Ein Beispiel?
Eine Pfarrerin und die Kindergartenleiterin wollen das Außengelände der Tagesstätte umgestalten. Zum Thema „Sponsoring“ finden sie wertvolle Hinweise (über die „Power-Suche“). Über eine Anfrage im Newsletter bekommen sie von anderen Nutzern Hinweise über rechtliche Aspekte, die zu beachten sind, wenn z.B. die Eltern selbst „zur Schüppe greifen“. Natürlich werden sie zum Thema „(Projekt-)Management“ fündig und finden nebenbei in unserer Partnerliste einen kirchlich versierten Trainer zum Thema „Mitarbeiterführung“.
Wohin soll sich KuM entwickeln?
Das Wissensangebot in der Datenbank wird weiter wachsen. Es kommen ja jede Woche neue Rezensionen hinzu. Wir verbessern kontinuierlich die Abfrage- und Recherchemöglich-keiten, damit die Nutzer auch in größeren Datenmengen schnell das Gesuchte finden können. Wir wollen Anregungen bieten für alle täglichen Herausforderungen.
Herr Classen, vielen Dank für das Gespräch.