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Seelsorgeeinheiten als Herausforderung für Gemeindeentwicklung
von Max Himmel
erschienen in
Herausforderung Gemeindeentwicklung
Erfahrungen – Aspekte - Perspektiven
Michael Fischer und Max Himmel (Hrsg.)
Der Autor arbeitet als Referent für Gemeindepastoral in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und beschreibt aus dieser Praxis heraus die Strukturreform in seinem Bistum, in dem sich aus mehr als 1000 sehr unterschiedlich großen Kirchengemeinden 283 Kooperationsverbünde (Seelsorgeeinheiten) bilden werden.
Anlass für diesen Prozess ist die klar prognostizierbare Personalknappheit bei Priestern, Diakonen, Pastoral- und Gemeindereferenten, die Himmel mit konkreten Zahlen darstellt. Ausführlich und klar gegliedert widmet er anschließend zwei Kapitel den Herausforderungen und Chancen sowie den Versuchungen und Gefahren.
Hierbei wird immer wieder deutlich, dass es der Diözese nicht nur um die bloße Reaktion auf eine Notlage geht, sondern um die kirchlich angestrebte Veränderung hin zu einer Kirche der Basis. So zitiert Himmel mehrfach das zweite Vatikanum und beruft sich auf die Würzburger Synode – nicht mehr eine Kirche für das Volk, sondern eine Kirche des Volkes soll die Zukunft gestalten.
Erste Herausforderung ist es, noch konsequenter als bisher diesen Gedanken der Beteiligung aller in praxi umzusetzen. Nicht mehr umfassende pastorale Versorgung, sondern Mündigkeit und Lebendigkeit der Gemeinden sollen das Ziel der Reform sein. Damit einhergehend steht das Rollenverständnis der Hauptamtlichen im Blickpunkt – nicht mehr der Versorger und Entscheider, sondern der inspirierende und moderierende Vernetzer als theologischer Fachberater wird in der Gemeinde der Zukunft benötigt. Himmel geht weiters auf die Herausforderung für Gemeinden ein, über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen und verspricht sich positive Auswirkungen auf die Pastoral durch Teamarbeit. Persönliche Neigungen und Kompetenzen einzelner Hauptamtlicher können im Team stärker zur Geltung kommen, es muß nicht mehr jeder Pfarrer alle Bereiche abdecken. Dies kommt sowohl dem Hauptamtlichen als auch der Gemeinde zugute.
Wie immer in Veränderungsprozessen, liegt eine zentrale Gefahr darin, die beteiligten Menschen nicht für die Veränderung gewinnen zu können. So beschreibt der Autor konkret die Gefahr des Minimalismuses bzw. des Mehraufwandes, durch den die Priester versuchen könnten, den status quo fortzusetzen. Ebenso schädlich für den Prozess wären Bestrebungen nach einem neuen Zentralismus, also einer der Basis gegenläufigen Bewegung. Aber: auch wenn man sich der Basis zuwendet, lauern Gefahren, z.B. die, dass die Ehrenamtlich in kurzer Zeit „verheizt“ würden.
Insgesamt zeigt sich, dass Max Himmel in seinem Aufsatz die Herausforderung der Gemeindeentwicklung umfassend und praxisnah erfaßt und beschreibt. Es ist spürbar, dass hier ein Mann aus der Praxis mit viel Erfahrung und Sachverstand die Dinge auf den Punkt bringt. Sehr lesenswert!
Rezensiert für KuM von Markus Classen