| Forum Kirche und Management | Zurück : | : Startseite |
Heiliger Bimbam!
Christopher Schwarz
Wirtschaftswoche (Heft 52, 2001)
Das kommt Ihnen spanisch vor? Die katholische Kirche versichert sich der Dienste von McKinsey, um ihre Organisation effizienter zu gestalten. Die Berater, allesamt ehemalige Messdiener, senken bei einem verschuldeten Bistum den 430 Millionen Etat um 70 Millionen mit den bekannten Mitteln: Fusion von Gemeinden (!), Immobilienmanagement, Computerisierung und Personalabbau. Nicht alle sind von der Übertragung von Modellen aus der Wirtschaft auf die Non-Profit-Organisation Kirche begeistert, aber sehen ein, dass auch hier Personal und Besitztümer verwaltet und Gehälter gezahlt werden müssen. Und man nimmt schmerzlich zur Kenntnis, dass es an Nachwuchs mangelt und die Einnahmen (Kirchensteuer) sinken.
Ob nun Bonusmodelle und leistungsorientierte Bezahlung Einzug halten? Eigentlich schwer vorstellbar in einer Organisation, bei der das persönliche Opfer ein "eingerechneter Faktor" ist und das ehrenamtliche Engagement als Ideal gilt. Aber mit klassischen Personalentwicklungsinstrumenten kann man es ja schon versuchen. Es gibt nun also das Mitarbeitergespräch, das auch fleißig geübt wurde. Auch hier reagieren die Mitarbeiter offensichtlich skeptisch, sie fürchten - wohl nicht ganz zu unrecht - die Einführung von Zielvorgaben unter dem netten Begriff der Zielvereinbarung. Neue Zeiten in der Welt der Talare, aber wer an das Geld wohlhabender Gläubiger will, die eingeladen sind, ihr Erbe einer wohltätigen Kirchenstiftung zu überlassen, der muss wohl neue Wege gehen. Ob Co-Branding eine Möglichkeit ist, so wie früher der lokale Bauunternehmer seinen Namen auf Kirchenfenstern verewigen ließ? McKinsey wird es wissen - hat man doch bei den Theologen ein notorisches Defizit an Managementkenntnissen festgestellt.
Für KuM rezensiert von Johannes Thönneßen, 28.12.2001)