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Daniel Deckers
Gemeinden ohne Seelsorger
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. 10. 2004, Nr. 233 / Seite 1
Für den Leser des Wirtschaftsteils der Frankfurter Allgemeinen bringt der Leitartikel nichts Ungewöhnliches: der Vorstand eines global aufgestellten Unternehmens hat die Entwicklung am Markt unterschätzt, man könnte auch sagen verschlafen.
Die Niederlassungen werden immer weniger von Kunden frequentiert, die Auslastung ist so gering, daß das Serviceangebot bereits in kleinere Einheiten verlegt, die Öffnungszeiten reduziert, die Heizung im Winter abgestellt wurde. Entsprechend rückläufig ist der Umsatz. Das Image hat gelitten.
Immer mehr Stammkunden haben dem Unternehmen bereits den Rücken gekehrt, ihre „Clubkarte“ zurückgegeben.
Schon seit Jahren gibt es Probleme bei der Personalbeschaffung. Im Außendienst sind zahlreiche Stellen unbesetzt und zwingen die Kunden, sich selbst zu behelfen. Dadurch wird die Bindung zum Unternehmen weiter reduziert. Die Gegenmaßnahmen des Unternehmens hingegen sind geprägt vom Denken konservativer Führungskräfte, die – koste es was es wolle – an althergebrachten und möglicherweise nicht mehr zeitgemäßen Strukturen festhalten wollen. Was über Jahrhunderte gut war, wird auch in den folgenden Jahren gut sein. So agiert man, wenn man den eigenen Einflußbereich schützen möchte.
In der Vergangenheit haben sprudelnde Einnahmen Strukturen entstehen lassen, die sich heute angesichts stark rückläufiger Einnahmen schon lange nicht mehr verantworten lassen. Die Situation ist nicht nur (er-)drückend, sondern auf Dauer auch existenzbedrohend. Der Aufsichtsrat kam bislang seinen Aufgaben nur zögerlich nach, der Vorstand hat Angst vor der eigenen Courage und wartet, bis es (fast) zu spät ist.
Auch die Beschäftigten des Unternehmens, bislang nicht im Entferntesten mit Kündigungen konfrontiert, sehen sich zunehmend dem Risiko von Stellenstreichungen ausgesetzt. Die Motivation leidet, die Verunsicherung nimmt zu.
Ein alltäglicher Teufelskreis. Nur geht es im vorliegenden Fall nicht um irgendein Unternehmen, sondern um die katholische Kirche. Wie sich die Welten und Probleme doch so gleichen, wenn es um Menschen und Einfluß geht.
Rezensiert für KuM von Jürgen Fischer
audit-consulting Managementberatung Solingen