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Evangelisierung
Forum KuM

Evangelisierung und Organisationen: Auf dem Weg zu einer christlichen Identität
von Michael Fischer

Wer sich mit der Weiterentwicklung von Organisationen beschäftigt, kommt früher oder später zu zwei zentralen Fragen: Erstens, wohin soll sich eine Organisation entwickeln und zweitens, was sind die gemeinsamen Werte, die uns dabei tragen? Mit der Beantwortung dieser beiden Fragen sind sozusagen das Ziel und der Weg benannt. Eine Organisation, die beide Fragen beantworten kann, bekommt dadurch ihre unverwechselbare Kontur und ihre eigene Identität. Denn beide Fragen beleuchten die Tiefendimension einer Organisation.

Fragen wir nach dieser eigentlichen Identität und der Tiefendimension kirchlicher Einrichtungen und kirchlicher Unternehmen, ist es hilfreich, sich mit dem Thema „Evangelisierung“ zu beschäftigen. Obgleich Evangelisierung ein in Mode gekommenes Wort ist, ist es ist jedoch in keiner Weise ein neuer oder modischer Gedanke in der kirchlichen Tradition. Seit dem Beginn der Kirche wurzelt ihre tiefste Identität in der Evangelisierung als ihr zentrales Thema. Evangelisierung – so evangelii nuntiandi - bedeutet, „die Frohbotschaft in alle Bereiche der Menschheit zu tragen, und sie durch den Einfluss von innen her umzuwandeln und die Menschheit selbst zu erneuern (Evangelii nuntiandi 14).

Und weiter heißt es im Text: Weil „der Bruch zwischen Evangelium und Kultur als das Drama unserer Zeitepoche verstanden wird, muss das Evangelium alle Kulturen von innen her durchdringen. Die Kirche kann es nicht hinnehmen, dass ihre Sendung nur auf den Bereich des Religiösen beschränkt wird, weil sie sich nicht für die zeitlichen Probleme des Menschen interessiert" (EN 34) Es geht also darum, dass alle Lebensbereiche von der Botschaft des Evangeliums erfasst werden und die Kluft zwischen der Lebenswirklichkeit und der Glaubenswirklichkeit überwunden wird. Gegenstand dieser (Unternehmens-) Entwicklung ist dabei nicht nur der einzelne Mensch, sondern auch das „kollektive Bewusstsein der Menschen, die Tätigkeit, in der sie sich engagieren, ihr konkretes Leben und ihr jeweiliges Milieu.“ (EN). Es geht nicht darum, flächendeckend Menschen zu bekehren, sondern durch die Kraft des Evangeliums sollen die Urteilskriterien, die bestimmenden Werte, die Interessenspunkte und die Denkgewohnheiten am Inhalt des Evangeliums ausgerichtet werden.

Die Unternehmensentwicklung kirchlicher Einrichtungen ist dann sozusagen ein Ernstfall der Evangelisierung - Evangelisierung konkret. Im Kontext kirchlicher Einrichtungen geht es dabei immer um das Bezeugen des Evangeliums in der Welt. Eine moderne Unternehmensentwicklung unter diesem Leitstern ist dann ein konkreter Versuch, das jüdisch-christliche Erbe zu kontextualisieren und es für die heutige Welt aufzuschließen. Es ist der Versuch, das Evangelium in einen modernen Organisationskontext ansichtig und durchsichtig werden zu lassen.

Auf dem Weg zu einer christlich geprägten Unternehmenskultur, kann das, was die Kirche im Tiefsten ausmacht, überaus hilfreich sein. Was dies für ein kirchliches Unternehmen im Einzelfall heißt, müssen die Verantwortlichen ihrer Situation entsprechend überlegen. Dennoch können einige organisationsbezogene Eckdaten benannt werden:



Entwicklungen in kirchlichen Unternehmen bedürfen einer theologischen Orientierung. Konzepte und Methoden der Organisationsentwicklung sind Werkzeuge und stehen daher im Dienst der Evangelisierung. Für eine kirchliche Unternehmensentwicklung hieße Evangelisierung, dass die Frohbotschaft in möglichst vielen Bereichen des Unternehmens ansichtig und erfahrbar wird. In Anlehnung an die Bergpredigt könnte für kirchliche Unternehmen gelten:

Glücklich seid ihr, die ihr zu einer mitmenschlichen Unternehmenskultur beitragt.
Ihr werdet wachsen an Liebe.
Glücklich seid ihr, die ihr den Zwängen einer zunehmenden Ökonomisierung etwas entgegensetzt
Ihr werdet zu einer menschengerechten Entwicklung beitragen.
Glücklich seid ihr, die ihr dem Machtmissbrauch in euren Unternehmen widersteht.
Ihr werdet eine machtvolle Alternative sein.
Glücklich seid Ihr, die ihr euch zu ethischem Handeln selbst verpflichtet.
Ihr werdet die Sachzwänge des scheinbar Faktischen durchbrechen.
Glücklich sei ihr, die ihr nicht einseitig die Interessen der Aktionäre bedient.
Ihr werdet Zeugen dafür sein, dass Gottes Reich umfassend ist.
Glücklich seid ihr, die ihr die kleinen Schritte wagt und die Spannung zu den großen Zielen aushaltet.
Ihr werdet durch den Mut zum Fragment den Weg zur Menschlichkeit finden.
Glücklich seid ihr, die ihr immer neu um eine evangeliumsgemäße Struktur eurer Organisation ringt.
Ihr werdet schöpferische Kräfte entdecken.
Glücklich seid ihr, die ihr nicht nur redet, sondern handelt.
Ich werdet Orte der Hoffnung sein.


Der Autor Michael Fischer ist Doktor der Theologie und arbeitet zur Zeit als Leitbildkoordinator bei den Hospitalgesellschaften der Mauritzer Franziskanerinnen in Münster, Westf.


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Leserkommentar - Mitarbeiter bitten um Gebet
Ausdrückliche Zustimmung aufgrund gleicher eigener Erfahrung - Mitarbeiter bitten um Beistand im Gebet.