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Entscheidungsprozesse fördern –
Ein Arbeitsbeispiel der Gemeindeberatung/Organisationsentwicklung
Von: Dieter Pohl
in: Organisationsberatung – Supervision – Coaching 04/03 Jahrgang 10/2003
Der Autor ist Pfarrer und Gemeindeberater in der Evangelischen Kirche im Rheinland und gibt in diesem Artikel einen ganz praktischen Einblick in seine Arbeit als externer Begleiter von Prozessen der Organisationsentwicklung in einer Kirchengemeinde:
In einer Gemeinde mit 4 Bezirken, 4 Pfarrern und 4 Gemeindezentren soll eines der Zentren geschlossen werden. Wie so oft in der Praxis wird die externe Hilfe erst angefragt, als die Situation bereits schwierig geworden ist – die mit der Planung beauftragte, paritätisch besetzte Projektgruppe schaffte es nicht, einheitliche Kriterien zu entwickeln, anhand derer über das zu schließende Gemeindezentrum entschieden werden könnte. Nach über einem Jahr ohne Fortschritt wurde die externe Gemeindeberatung angefragt.
Pohl erläutert in seinem Artikel, wie es gelang, den Blick von den Eigeninteressen der Gruppenmitglieder hin zu einem Blick von außen zu lenken, nämlich in dem die Beteiligten verschiedene externe Rollen einnehmen sollten: als Leiter des Sozialamtes, als Kommunalpolitiker, als Bürger usw. “Wenn Sie diese Entscheidung treffen müßten, an welchen Kriterien würden Sie sich orientieren?“ Auf diese Weise kam die Projektgruppe auf einen langen Katalog von Kriterien, die in einem Gitternetz visualisiert werden konnten. Zuletzt gab die Projektgruppe an den Kirchenvorstand nicht etwa eine Empfehlung ab, sondern beschloß, den Prozess, den sie selbst durchgemacht hatte, auch mit dem Kirchenvorstand durchzuführen – beide Gremien kamen letztlich zu demselben Ergebnis, nämlich der Schließung des Gemeindezentrums in A.
Die Gemeindeberatung hat hier also einen Prozess angeleitet, in dem eine zerstrittene Gruppe ihre Arbeitsfähigkeit zurückerlangt und ihren Kirchenvorstand anschließend selbst in einem eigenen Prozess begleiten kann. Die Entscheidung über die Schließung wurde aus den Gremien heraus gefällt, war transparent und orientierte sich an zuvor vereinbarten, objektiven Kriterien.
Am Schluß des Artikels beschreibt der Autor noch überblicksartig die Entwicklung des Konzeptes „Gemeindeberatung“ in der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Stärke des Artikels bleibt allerdings der konkrete Einblick in die „Trickkiste“ des Beraters.
rezensiert für KuM von Markus Classen, 05. Februar 2004