| Forum Kirche und Management | Zurück : | : Startseite |
Rezension:
Unternehmen behaupten sich als eingeschworene Kampftruppe
Die Ordensregel der Jesuiten für das Management nutzbar gemacht
Von Erhard Glogowski – rezensiert für KuM von Markus Classen
erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 23.12.2002, S. 21
Der Autor beschreibt in seinem Artikel die Gründung und das Leben des Jesuitenordens vom 16 Jhdt. bis heute. Dabei vergleicht er die Anfänge des Ordnes mit dem Aufbau eines Start-up Unternehmens. Im Gegensatz zu manchem Jungunternehmer lebten die Jesuiten jedoch aus der Gewißheit heraus, auch Scheitern zu können. Mit einem kompromisslos kompakten Leitbild, fest umrissenen Unternehmenszielen und einer zentralen Kommandostruktur haben es die Jesuiten bis in die heutige Zeit geschafft – welches Unternehmen ist schon 460 Jahre alt?
Auch die Globalisierung und das Commitment, also der vorbehaltlose Einsatz seiner Führungskräfte sind für den Orden kein Problem, was der Autor u.a. auf die oben erwähnte Kommandostruktur zurückführt.
Insgesamt erfährt der Leser in dem recht langen Beitrag (immerhin eine 1/4 Zeitungsseite) viel über die Jesuiten, welche Werte sie leben (hohen Bildungsgrad) und was sie tun (Mission in fremden Ländern). Das eigentlich Spannende, was der Leser aufgrund der Überschrift eigentlich auch erwarten darf („…für das Management nutzbar gemacht“) bleibt uns der Autor allerdings schuldig.
Wie geht denn das nun genau - Personalmanagement nach Ignatius von Loyola?
Ein Kulturhistoriker verweist zwar auf die besondere „Kunst der Menschenführung“ und der Autor unseres Artikels empfiehlt das „Personalmanagement in höchster Vollendung“ – welche Schritte zu diesem Personalmanagement führen, wird aber nicht weiter ausgeführt. Schade.
Was haben denn die Jesuiten als Orden ´Besonderes´? Sie verlangen von ihren Mitgliedern „Absoluten Gehorsam“, „Strenge Disziplin“, „Weltweite Einsatzbereitschaft“ – welcher ´weltliche Mensch´ verspricht seinem Arbeitgeber diese Eigenschaften? Für ein solches Versprechen bedarf es wohl einer höheren Sache – nämlich Gottes Werk, um dessentwillen sich Ordensleute ja einsetzen! (An dieser Stelle scheitert auch die Vergleichbarkeit von Orden und Unternehmen.)
Für die Zeit auf Erden bekommt ein Ordensmann zusätzlich das Versprechen der lebenslangen Fürsorge und Versorgung durch den Orden – welcher Arbeitgeber verspricht dies heute noch seinen Mitarbeitern?
Eine Rezension von Markus Classen