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Daniel Deckers
Das Katholische sichtbar werden lassen
Deutsche und amerikanische Theologen im Gespräch
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.6.2004, Nr. 131 / Seite 12
Im Gegensatz zur evangelischen Kirche ist die katholische Kirche eine die Welt umspannende Organisation. Das macht sie einzigartig. Zentral gelenkt wird sie von Rom aus mit einer Organisation, die sowohl Parallelen in der Politik als auch in der Wirtschaft hat.
Um so erstaunlicher ist die Feststellung, daß „die Grenze des eigenen Landes in der Regel die Grenze des eigenen kirchlichen Horizont(es)“ ist. Wenn dies bereits auf europäischer Ebene zutrifft, dann erst recht im Vergleich Deutschlands mit den Vereinigten Staaten.
Karl Albrecht, vielen auch als einer der beiden ALDI-Gründer bekannt, hat – als Privatmann, unabhängiger und engagierter Laie - die Initiative ergriffen und zu einer Konferenz über den Katholizismus in Deutschland und Amerika eingeladen. Seine langen Jahre in den Staaten und seine Erfahrungen mit vitalen amerikanischen Kirchengemeinden gaben den Ausschlag.
Erstaunlich, daß für vergleichendes Arbeiten und Verstehen auf dieser immerhin viertägigen Veranstaltung mit namhaften Theologen erst Grundlagen geschaffen werden mußten. Kaum einer, der mit der anderen Kirche irgendwie vertraut gewesen wäre. Dabei zeigten sich bemerkenswerte Ähnlichkeiten, aber auch deutliche Unterschiede zwischen den Ländern.
Während die deutsche katholische Kirche schrumpft, wächst die amerikanische, vor allem dank der Zuwanderung latinoamerikanischer Gläubiger, übrigens mit der Folge, daß der Katholizismus in den Vereinigten Staaten ein autochthones Phänomen wird und sich von seinen europäischen Wurzeln emanzipieren wird.
Priestermangel ist auch in den Staaten kein unbekanntes Problem, aber noch gäbe es – zumindest an der Ostküste – in jedem Krankenhaus einen Priester, der die Sterbesakramente spenden könnte. Nur ist fraglich, ob in der gerade erforderlichen Sprache.
Vitaler und dynamischer als ihre deutschen scheinen die amerikanischen Gemeinden zu sein. Auch wenn das Ehrenamt dort ebenso auf dem Rückzug ist wie in Europa und das kirchliche Alltagsleben überwiegend Frauensache ist, würden sich vermutlich viele deutschen Gemeinden diese Lebhaftigkeit wünschen. Als ein Grund wurde ausgemacht, daß man in Deutschland in die Gemeinde hineingeboren wird, während man sich in den USA registrieren lassen muß. Kommt bei uns die Kirchensteuer der Diözese zugute, müssen die amerikanischen Gemeinden sich unmittelbar aus Spenden und Beiträgen ihrer Mitglieder finanzieren. Damit ist der Loyalitätsgrad ein wesentlich höherer als in unseren Gemeinden. Gleichzeitig steigt die Flexibilität.
Es wird den Leser enttäuschen, daß ein Dialog zwischen der amerikanischen und deutschen Kirche in absehbarer Zeit wohl kaum zustande kommen dürfte. „Dazu sind die beiden Kirchen gegenwärtig zu sehr mit sich selbst beschäftigt", so der Autor in der Frankfurter Allgemeinen. Insgesamt bleibt es eine sehr lobenswerte und interessante Initiative, von der es hoffentlich in Kürze die Referate zu lesen gibt. Und warum sollte es nicht einmal eine Fortsetzung geben. Albrecht machte den Anfang. Und heißt es nicht „Die Gemeinde sind wir?“.
Rezensiert für KuM von Jürgen Fischer
audit-consulting Managementberatung Solingen