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Das Kirchenfoyer: City-Pastoral in Münster
Im März 2003 wurde das Kirchenfoyer in Münster als ein Angebot der Citypastoral in Trägerschaft der katholischen Kirche mit bewusst ökumenischer Ausrichtung eröffnet.
Das Kirchenfoyer ist ein offener heller Raum in der Fußgängerzone von Münster, in dem Begegnung stattfindet, in dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen können über alles, was sie bewegt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Informations- und Kulturangebote rund um das kirchliche Leben in der Stadt. Auf Wunsch werden seelsorgerische Gespräche und Beichtgespräche vermittelt sowie die Begleitung beim Wiedereintritt in die katholische oder evangelische Kirche angeboten.
Täglich besuchen bis zu vierzig Passanten die Räume, die Rat suchen, sich informieren oder einfach über Gott und die Welt ins Gespräch kommen wollen. Empfangen werden sie abwechselnd von über vierzig Ehrenamtlichen aller Altersgruppen und Konfessionen.
Citypastoral als Baustein der Kirchenentwicklung
Ziel der Citypastoral ist es, den Menschen im Zentrum der Stadt ein offenes, transparentes, niedrigschwelliges Angebot zu machen. Ausgangpunkt war die Frage, wie die Kirchen sich bei zurückgehenden Kirchenbesucherzahlen und nachlassendem Engagement in den Gemeinden und Einrichtungen auf die Menschen zu bewegen und sich zeitgemäß und attraktiv darstellen können. Citypastoral ist damit ein Beitrag zur Organisationsentwicklung von Kirche.
Eine Vielzahl von Menschen verbringen heute ihre Zeit in den Zentren der Städte: Berufstätige, Schüler und Studenten, Touristen, Einkäufer und Bummler sind die Passanten, die vorübergehen. Wie sich Paulus auf dem Areopag an die Athener gewandt hat (vgl. Apg 17,16-34), wollen die Kirchen sich in aller Öffentlichkeit den Vorübereilenden präsentieren, sie zum Verweilen einladen und sie durch ihre Präsenz mit der Botschaft Gottes in der heutigen Zeit konfrontieren. Dabei geht es ihnen wie Paulus in Athen: Die Mehrheit bleibt eher distanziert und zurückhaltend, ein Teil aber lässt sich auf die Einladung ein.
Das Kirchenfoyer in Münster ist als Passantenpastoral ein Teilbereich der Citypastoral in dieser Stadt. Das Angebot hat keine Gemeindebildung zum Ziel, sondern die Unterstützung der gemeindlichen und sozial-caritativen Angebote in der Stadt. Erreicht werden zum einen Menschen, die keinen Kontakt mehr zu den Kirchen haben, zum anderen aber auch Menschen die die Räume neben ihrem sonstigen Engagement als Ort der Begegnung aufsuchen.
Programm und Angebot des Kirchenfoyers orientieren sich an den Bedürfnissen und den Fragen der Menschen. Einen breiten Raum nimmt dabei die Unterstützung in sozialen und psychischen Notlagen ein sowie die Suche nach spiritueller Begleitung im weitesten Sinne. Die Besucher sollen nicht längerfristig gebunden werden, sie sind jedoch eingeladen zu häufigeren Besuchen.
Projektmanagement – von der Idee zur Realisierung
Das Konzept des Kirchenfoyers wurde vom ernannten Leiter des Kirchenfoyers in Zusammenarbeit mit einer Steuerungsgruppe, dem Beirat, entwickelt. Der Beirat setzt sich aus Fachleuten verschiedener Bereiche zusammen: Pastoral, Beratung, Ökumene, Bildung, Frauenfragen und Ökumene. Unterstützt wurde die Konzeptentwicklung durch die praktischen Erfahrungen anderer citypastoraler Angebote in Deutschland und durch die Reflexionen in der vorliegenden Literatur.
Die inhaltliche Konzeptentwicklung dauerte etwa zwei Jahre. Ein halbes Jahr dauerte die Aufbauphase der Räume, ein Prozess, in dem das inhaltliche Konzept auch baulich umgesetzt wurde. Für das Kirchenfoyer wurde ein zentral gelegenes Geschhäftslokal angemietet und für die Bedürfnisse des Kirchenfoyers umgebaut. Das Gebäude wurde modern und transparent gestaltet und bietet Raum für Begegnung und als Informationsstelle, aber auch Räume auf drei Ebenen, in die man sich für persönliche Gespräche und Gruppengespräche zurückziehen kann.
Begleitet wurde die Aufbauphase durch eine intensive Pressearbeit vor Ort (Lokalzeitungen, Rundfunk und Fernsehen) und durch Berichte an die Verantwortlichen in den Gemeinden, so dass die Öffentlichkeit auf dieses neue Projekt gut vorbereitet war. Das Kirchenfoyer wurde im März 2003 vom Diözesanbischof Dr. Reinhard Lettmann mit einem kurzen Wortgottesdienst feierlich eröffnet. Das anschließende Programm stand unter den beiden Schwerpunkten der Begegnung und der Kultur: Kleinkunst auf einer Bühne vor dem Kirchenfoyer und persönliche Gespräche mit eigens dazu eingeladenen Prominenten aus Politik, Kirche, Gesellschaft und Kunst. Mit diesem Konzept der Eröffnung wurde bewusst eine Brücke geschlagen zum alltäglichen Angebot des Kirchenfoyers: Begegnung, Information und Kultur. Zahlreiche Vertreter aus Gemeinden und Verbänden sowie die Passanten, die sich an diesem Samstag in der Innenstadt aufhielten, waren als Zielgruppe die Besucher dieser öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung.
Personal und Personalentwicklung
Von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird kein theologisches Fachwissen erwartet, wohl aber die Beheimatung in einer christlichen Religionsgemeinschaft. Der christliche Glaube sollte die Grundlage der eigenen Lebensorientierung sein. Als Mitwirkende im Kirchenfoyer bringen sie Gesprächbereitschaft, Offenheit für andere und ein freundliches Auftreten mit.
Zur Vorbereitung auf die Präsenz im Kirchenfoyer werden ihnen zwei 2-tägige Fortbildung vor allem in Gesprächsführung und Umgang mit ratsuchenden Menschen sowie zur Aneignung von Kenntnissen über Angebote, Einrichtung und Unterstützungsangebote in Münster angeboten. Auch die eigene Motivation, die Biografie, die eigene Rolle als Helfer, eigene Fähigkeiten und Grenzen sind Themen der Vorbereitung.
Über diese Grundausbildung hinaus werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer Arbeit begleitet, um die Themen aus der Praxis nach Bedarf zu vertiefen zum Beispiel bei Fragen zur Gesprächsführung, zu pastoraltheologischen und (pastoral)psychologischen Themen. Regelmäßige Reflexions- und Planungsgespräche sowie die Begleitung durch Supervision ergänzen unser Personalentwicklungskonzept.
Erfahrungen in den ersten neun Monaten
Seit der Eröffnung vor Monaten haben Tausende von Passanten das Kirchenfoyer besucht. Durchschnittlich betreten monatlich über 600 Besucher die Räume. Ein Großteil kommt mit Informationsfragen, viele kommen aber mit dem Ziel, Gespräche zu führen. Bei einem Teil der Gespräche hat sich die Notwendigkeit nach einer intensiveren Begleitung oder Beratung gezeigt. Diese Besucher wurden vermittelt an fachlich qualifizierte Einrichtungen. Die Begleitung beim Wunsch nach (Wieder)Eintritt in eine christliche Kirche wird in den meisten Fällen im Kirchenfoyer selbst durchgeführt.
Die Tagesveranstaltungen während der Öffnungszeiten (Vorstellung von Einrichtungen, Zeitzeichen, Impulse, Bibellesungen, Kirchenführungen) werden von Besuchern der Innenstadt angenommen, die Zahl der Teilnehmenden ist kontinuierlich steigend. Die Erfahrungen in diesen ersten Monaten haben auch gezeigt, dass es sinnvoll ist, das Kirchenfoyer zu bestimmten Anlässen (Stadtfest, Nacht der Museen, Advent) zu öffnen und die Besucher der City zum Verweilen einzuladen.
Sowohl die Bistumsleitung wie auch die Gemeinden und Einrichtungen in Münster stehen diesem neuen Projekt sehr wohlwollend gegenüber. Das Kirchenfoyer ist inzwischen zu einer bekannten Einrichtung geworden, die zum Stadtbild dazu gehört und es mit seinem Angebot prägt.
Kontakt:
Kirchenfoyer
Franz-Thomas Sonka (Leiter des Kirchenfoyers)
Salzstraße 1
48143 Münster
Telefon 0251/4 84 19 45
Email: info@kirchenfoyer.de
Homepage: www.kirchenfoyer.de